Die Schuldigen sind gefunden

Man hat herausgefunden, wer für den Umsatzrückgang und die schlechte Geschäftslage im Taxigewerbe verantwortlich ist.
Am 11. 9. 2001 stürzten nach einem Attentat die Türme des World Trade Center zusammen, und damit nicht nur diese. In der Folge rasten eine Welle von Firmenzusammenbrüchen und eine Finanzkrise um den Globus. In Deutschland wurde das börsennotierte Segment „Neuer Markt“ von der Kurstafel gefegt, die Reisetätigkeit ging drastisch zurück und das Taxigewerbe musste einen Rückgang von etwa 30 % erleiden. In den nachfolgenden Jahren stieg zwar das Wirtschaftswachstum wieder an, doch mit Einführung des Euro war das Taxigewerbe wieder bei den Verlierern. Die Preise stiegen enorm, Fahrzeuge, Werkstattkosten und Nebenkosten liefen den Taxiunternehmen davon. An den steigenden Löhnen und Unternehmensgewinnen konnte das Taxigewerbe nicht teilhaben, denn die Taxitariferhöhung der Stadt Frankfurt blieb weit hinter den Realpreissteigerungen zurück. Doch 2008 schickte die weltweite Finanzkrise das Taxigewerbe erneut auf eine dreißigprozentige Talfahrt. Der Preisverfall bei Mietwagen, die meist mit Navigationsgeräten ausgestattet sind, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der ruinöse Wettbewerb mit Umlandfahrdiensten und Umlandtaxis taten ihr übriges.
Fakt ist, das Frankfurter Taxigewerbe steht schlechter da als im Jahre 2001. Viele Kollegen haben Existenzängste. An eine Altersvorsorge und Rücklagenbildung für Reparaturen und Neuanschaffungen ist kaum zu denken.
Das Gewerbe steht mit dem Rücken zur Wand, trotz Arbeitszeiten von ca. 70 Wochenstunden. Etwa 1700 Taxen suchen in Frankfurt, Tag wie Nacht, freie Taxihalteplätze um sich dann wie am Flughafen 2-3, oft mehr Stunden, und in der Stadt 1-2 Stunden für eine Fahrt anzustellen.
Diese Menge an Taxen, die nun auf die Halteplätze anstürmten um irgendeinen Platz zu bekommen, blieben dem Ordnungsamt natürlich nicht verborgen. Entsprechende Verkehrsbehinderungen waren die Folge.
Da jetzt die Ordnung gestört wird, greift Stadtrat Volker Stein, unter anderem Dezernent des Ordnungsamtes, in das Geschehen ein. Er ruft eine „Qualitätsoffensive“ aus. In dem schon vollständig geregelten Taxigewerbe, Farbe, Tarif, Fahrstrecke, Ersatzfahrzeuge, Taxameter, Kofferraumnutzung, etc. und sogar das Alter des Stadtplans sind geregelt, werden die letzten Freiräume in Frage gestellt.
Das Verhalten der Fahrer, immer freundlich, aufmerksam und so wie früher immer ein fröhliches Lied auf den Lippen, als unsere Vorfahren mit den Galeeren über das Mittelmeer schipperten, so sollte Sie oder Er sein. Die Kleidung, wünschenswert ein Hemd mit Krawatte besser noch Anzug für den Herrn und Kostüm für die Dame. Vorbild wären hier die Banker und Beamte, die in ihrer klimatisierten Kleidung gerne mal bei sommerlichen 35 Grad oder winterlichen minus 15 Grad einen schmutzigen Koffer in den Kofferraum laden. Der Fahrzeugtyp, gerne gesehen der gute Stern und das ganze möglichst nicht älter als zwei Jahre. Soweit die Wünsche für die Qualitätsoffensive.
Die FRAPORT, die zu mehr als 20% der Stadt Frankfurt und zu über 30% dem Land Hessen gehört, gesellt sich auch dazu und fordert für ihre Klientel, die mittlerweile immer mehr ihre Reisekosten über Kreditkartenabrechnung verwalten, eine generelle Kreditkartenakzeptanz am Flughafen.
Die Taxivereinigung, die jetzt aus ihrem Winterschlaf erwacht war, schlug sich frei nach dem Sprichwort, „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ auf die Seite der Stadt und der FRAPORT, und in bester Stammtischmanier hat man sich flugs auf eine Gruppe geeinigt, die an der Misere im Taxigewerbe schuld ist.
Es sind, und man ahnt es schon, die Taxiunternehmer und Fahrer, die diese Misere ungeachtet der obengenannten wirtschaftlichen Abläufe zu verantworten haben.
Stadt, FRAPORT und Taxivereinigung haben aus dieser Koalition, im Gegensatz zum Taxigewerbe nur Vorteile gezogen. In dem das Taxigewerbe selbst zur Ursache für die schlechte Geschäftslage gemacht wird, lenkt man trefflich von seinem eigenem Versagen und eigenen Interessen in der Gewerbepolitik ab.
Die Stadt Frankfurt hat die Zugangsbedingungen für das Taxigewerbe aus den Händen gegeben und sich unzulänglich um die gestiegenen Anforderungen an das Gewerbe gekümmert
.
Sie hat sich desweiteren keine Gedanken darüber gemacht, wo 1700 Taxen Aufstellung nehmen sollen, wenn die Fahrgastzahlen sinken. Die Frankfurter Taxen brauchen ausreichend Halteplätze, die so angelegt sind, dass eine möglichst hohe Zahl von Kunden angesprochen wird.  Die Halteplatzsituation wird hier eklatant vernachlässigt, mehr noch, das eigene wirtschaftliche Interesse wird über das der konzessionierten Taxis gestellt.
Die Busse für die Stadtrundfahrten der Tourismus + Congress GmbH, eine 100%‘ige Firma der Stadt Frankfurt, bekommen für ihren Betrieb Standflächen auf den Taxiplätzen zugewiesen, die dem  Taxigewerbe dadurch verloren gehen, und das noch an exponierten Plätzen, welche die meiste Laufkundschaft versprechen. Um nicht auf die Einnahmen für einige Parkplätze zu verzichten, belastet man lieber das Taxigewerbe.
Die FRAPORT hat nun in 2009 angeblich erst mal die Halteplatzmiete verdoppelt. Natürlich kann man es sich nicht leisten, den bis zu 200 Fahrern im Halteplatz Gateway, eine Toilettenanlage zur Verfügung zu stellen. Diese Pflicht hat man der Taxivereinigung aufgebürdet, die diese Kosten vermutlich über die Mieten aus den Gestattungsverträgen erwirtschaften wird. Auch den Wunsch der generellen Kreditkartenakzeptanz, der auf öffentlichen Halteplätzen so nicht umzusetzen wäre, hat man der Taxivereinigung angetragen, die hierbei gerne behilflich ist.
Die Taxivereinigung Frankfurt hat in einer nie zuvor gekannten und für möglich gehaltenen, unkollegialen Weise die Kreditkartenakzeptanz am Frankfurter Flughafen durchgesetzt. Es wurden Jahrzehnte alte Verträge gekündigt, ob Vereinsmitglied oder nicht, gleichgültig ob die Kollegen schon seit Jahren Kreditkarten akzeptierten.
Die Taxivereinigung wollte wohl beweisen, welch ein zuverlässiger Partner sie in der Koalition mit FRAPORT und Stadt ist. Sie selbst hat in den letzten 5 Jahren die Halteplatzmiete um ca. 150 % erhöht, obwohl sie den Halteplatz Hauptbahnhof Mitte an die Taxi Frankfurt eG verloren hatte und die Kollegen für diesen Halteplatz nun zusätzlich 140 Euro Jahresmiete an die Taxi Frankfurt eG bezahlen müssen.
Obendrein greift man im Rahmen der ausgerufenen Qualitätsoffensive
auf die mehr als 4000 Stadtscheinbesitzer zu und hat die TTC Zufahrtskarte personalisiert. Somit fallen Kosten von ca. 52 Euro für jeden an, der den Halteplatz Flughafen nutzen möchte. Und dieser Betrag wiederholt sich alle 5 Jahre. Für Neuerwerber der TTC-Karte wird noch zusätzlich ein Kurs fällig, der ein Mehrfaches der Karte kostet.
Zusammen mit der Halteplatzmiete der Unternehmer, und wenn man weiß, dass die Taxivereinigung einer der größten Kreditkartenabrechner ist, erschließt sich hier eine nicht unerhebliche Einnahmequelle.
Und schon strecken sich die kommerziellen Finger der Taxivereinigung nach den privaten Hotelhalteplätzen aus. Das erste Hotel am Frankfurter Flughafen steht schon unter ihrer Zugriffskontrolle. Dass dies für die Kollegen nicht billig wird kann sich jeder selbst ausrechnen. Egal ob man mit Vorstandsmitgliedern oder Flughafenaufsichten spricht, einen Aushang der Taxivereinigung liest oder in das monatlich erscheinende Taxijournal schaut, wobei es schon unerheblich ist welche Seite man aufschlägt, es wird nur noch ermahnt, gedroht und Fehlverhalten angeprangert.
Kein Verständnis mehr für die Sorgen und Nöte der Kollegen. Kein empfinden mehr für normale menschliche Bedürfnisse.
Es gilt nur noch eins, alle in einen Sack und drauf, das ist die einfachste Lösung um seinen eigenen Hirnschmalz zu schonen um eventuell neue Möglichkeiten für das Taxigewerbe zu finden.
Die Gründerväter der Taxivereinigung hatten sicher anderes im Sinn und würden es wahrscheinlich als Verrat an ihren Gedanken ansehen, wenn die traditionsreiche Fahne der Taxivereinigung immer dahin gehalten wird, woher der wärmste Wind weht. Doch sollte sich die Taxivereinigung ihrer Koalitionspartner nicht so sicher sein, denn um es mit Cäsar zu sagen:
Caesar
                      “Proditionem amo, sed proditores non laudo
                 [Den Verrat liebe ich, aber die Verräter lobe ich nicht]"



Doch bis dahin ist noch Zeit, man hat den Schuldigen gefunden. Das Taxigewerbe steht nicht nur mit dem Rücken zur Wand, es steht auch noch nackt mit dem Rücken zur Wand, weil man ihm auch noch das letzte Hemd auszieht.
In einem Punkt hat die Koalition aus Taxivereinigung, Stadt Frankfurt und FRAPORT recht, wenn sie sagen, wir sind selbst schuld:

Wenn wir eine Wahl haben warum treffen wir keine andere Wahl.

Taxiring-Frankfurt




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